„Für immer
Immenhof“
Ponys in sommerlicher Sonne auf den sattgrünen Wiesen eines
Gutshofes in der romantischen Holsteinischen Schweiz: Das
ist die Szenerie für eine besonders erfolgreiche
Filmtrilogie der 50er Jahre:
Die Mädels vom Immenhof
(1955),
Hochzeit auf Immenhof (1956) und
Ferien
auf Immenhof (1957). Ausgangspunkt war der Kinderroman
„Dick und Dalli und
die Ponies
“ von
Ursula Bruns, der (zusammen mit den Filmen) zugleich die
Popularisierung der Islandponys einleitete.
Populär machten die Filme besonders Heidi Brühl, die
Darstellerin der kessen blonden Dalli. Der Kinderstar der
50er avancierte daraufhin nicht allein zur erfolgreichen
Musical- und Schlagersängerin, er lächelte dem deutschen
Kinopublikum der 60er und 70er Jahre auch regelmäßig von der
Leinwand entgegen. Neben Heidi Brühl agiert als zweites
Mädel vom Immenhof die brünette Angelika Meissner-Voelkner.
Heute würde man sie pubertierende Teenager nennen,
seinerzeit waren die beiden
„Backfische
“,
deren erste Liebesnöte und Herzschmerz-Geschichten
zeittypisch noch wenig sexbetont sind. Auch dieses
heutzutage unschuldige Backfisch-Flair war etwas, das den
Erfolg mitbegründen half.

Sieht
man die Filme heute, wirken sie wie eine nostalgische
Zeitreise, zurück in die Ära des einsetzenden
Wirtschaftswunders. Sommersonne und Hufgetrappel auf grünen
Wiesen, das riecht stark nach typischem Heimatfilm. In diese
Kategorie passen die Filme schon, allerdings besitzen sie
bei allem zeittypischen Flair einer
„heile(n) Welt
“
auch ein gerütteltes Maß an Alltagsproblematik. Etwas, mit
dem sich auch das damalige erwachsene Publikum
identifizieren konnte. So baut sich der Reiterhofbetreiber
Jochen von Roth (Paul Klinger), ein Spätheimkehrer aus
russischer Kriegsgefangenschaft, mühsam eine neue Existenz
auf und die Immenhof-Familie um Oma Jantzen (Margarethe
Hagen) sucht ihr völlig verschuldetes Anwesen vor der
Zwangsversteigerung zu bewahren. In der Art und Weise, wie
der Immenhof-Clan allen Widrigkeiten trotzt und Hindernisse
zupackend und gemeinsam aus dem Wege räumt, spiegelt sich
die Aufbruchstimmung des langsam in Fahrt kommenden
Wirtschaftswunders wider. Die
Immenhof-Trilogie
gehörte zu Filmen, die seinerzeit ein
generationsübergreifender Kinospaß für jung und alt und
damit Kino für die ganze Familie waren. Dank vielfacher
Wiederholung im TV sind die Filme aber außerdem für mehr als
nur eine Generation von Kinogängern zur unauslöschlichen
Kindheitserinnerung geworden.
Der Produzent Gero Weder versuchte übrigens in den 70ern
nochmals an den Erfolg des filmischen Dreierpacks
anzuknüpfen: Allerdings, sowohl
Die Zwillinge vom
Immenhof (1973) als auch
Frühling auf Immenhof
(1974) stießen nur auf geringfügige Zuschauerresonanz. Neben
den veränderten Seh- und Rezeptionsgewohnheiten eines
nachgewachsenen jüngeren Publikums dürfte dafür
mitverantwortlich sein, dass außer Heidi Brühl von der alten
Schauspieler-Garde niemand mehr dabei war. Nicht allein
Margarethe Hagen und Paul Klinger lebten nicht mehr, auch
ein weiteres Original der Filme, Paul Henckels, der den
humorigen Landtierarzt Dr. Pudlich verkörperte, war
zwischenzeitlich verstorben.
Auf der Kompilations-CD
„Für
immer Immenhof
“ hat
jetzt Bear Family Records der
„klassischen
“
Immenhof-Filmtrilogie der Fifties ein sehr liebevoll
ausgestattetes und wohlklingendes Denkmal gesetzt. Die
Gemeinde der
Immenhof-Fans erhält einen überzeugend
konzipierten Querschnitt aus den drei Filmmusiken.

Für
die Musik zum ersten Film,
Die Mädels vom Immenhof,
zeichnet Norbert Schultze verantwortlich. Da keine separaten
Musikaufnahmen mehr existieren, hat man hier zwei Lieder und
die Schlussmusik direkt vom Film transferiert. Hans-Martin
Majewski betreute sowohl
Hochzeit auf Immenhof als
auch
Ferien auf Immenhof. Hier konnte nahezu
vollständig auf Magnetaufzeichnungen der Musik-Einspielungen
zurückgegriffen werden. Von den beiden
Majewski-Kompositionen sind jeweils über eine halbe Stunde
vertreten. Die Auffrischung der hörbar betagten Tonmaster
ist recht gut gelungen: Somit ist der Mono-Klang zwar
qualitativ leicht schwankend und altersbedingt etwas belegt,
darf aber alles in allem als recht präsent und durchaus
befriedigend bezeichnet werden.
Das Rückgrat aller drei Filmvertonungen bilden die Themen
der einkomponierten Lieder. So sind zweifellos
„Dideldum-Didelda
“
aus dem ersten oder auch das
„Pony-Lied
“
aus dem zweiten Film vielen Liebhabern in Erinnerung.
Entsprechend ist Nostalgie-Charme sicherlich eine
wesentliche Ingredienz, die die Ausgrabung dieser Musiken
rechtfertigt. Dabei fällt beim Anhören schnell das überaus
solide Handwerk von Hans-Martin Majewski auf. Dem Hörer
bietet sich ein sorgfältig gestaltetes Spektrum, das
thematische Variationen der Lied-Themen geschickt in
verschiedene klangliche Gewänder kleidet. So finden sich
sehr solide gearbeitete und abwechslungsreich
instrumentierte, melodiebetonte Light-Sinfonik und ebenso
swingende Big-Band-Einflüsse. Und auch für Cowboy-Romantik
ist gesorgt. Dafür steht das für
Ferien auf Immenhof
im Hillbilly-Stil komponierte Lied
„Meine Wiege stand
im Westen
“. In
„Reitersilhouette
“
erscheint es gefühlvoll-schimmernd instrumentiert, lässt so
die in der Ferne (wohl in der Abendsonne) Vorüberreitenden
plastisch werden und sorgt geradezu für ein
Prä-Karl-May-Film-Feeling — verweist auf Riz Ortolanis Musik
zu
Old Shatterhand (1967). Und natürlich fehlt auch manch
spielerisch und zugleich fantasievoll umgesetztes
Mickey-Mousing nicht, z. B. wenn das Wiehern der Ponys
tonmalerisch durch gestopfte Trompeten in Musik umgesetzt
wird. Dies alles macht das Album zur sehr unterhaltsamen und
überhaupt sehr runden Sache. Und obwohl viele der einzelnen
Tracks nur eine Minute oder sogar kürzer sind, entsteht
nicht der Eindruck eines totalen Flickenteppichs und nur
vereinzelt wirkt das Gebotene etwas redundant und hängt
damit ein wenig durch.
Die spielzeitmäßig randvolle Kompilation ist mit einem
48-seitigen, sehr informativen Begleitheft versehen, welches
das charmante Digipack auf einen vergleichbaren
Ausstattungslevel hebt wie bei den Alben der hauseigenen
Reihe
„Deutsche
Filmkomponisten“.
Wertungstechnisch ist es hier neben der luxuriösen
Ausstattung aber bereits die sorgfältig im Light-Music-Stil
auskomponierte Musik, die schon für sich betrachtet
dreieinhalb Sterne rechtfertigt. Aus diesem Grunde möchte
ich darüber noch etwas hinausgehen und im Sinne einer
„Albumbewertung
“
das Gesamtprodukt durch volle vier Sterne hervorheben.
Fast ein halbes Jahrhundert nach Entstehung der Filme liegt
nun für die Immenhof-Enthusiasten dieses sehr ambitioniert
gefertigte klingende Deluxe-Souvenir zur Kino-Saga vor. Da
dürfte es eigentlich zu einer entsprechend sorgfältigen
DVD-Edition der Filme auch nicht mehr allzu lange hin sein,
oder?